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Konfirmation

Konfirmation


Konfi ist mehr ...

 

Am zweiten und dritten Maiwochenende finden in unserer Gemeinde die diesjährigen vier Konfirmationsgottesdienste statt, in denen 52 Jungen und Mädchen konfirmiert oder getauft werden. Die Konfirmation steht am Ende der etwa anderthalbjährigen Konfirmandenzeit. Unsere Hoffnung ist, dass die Konfirmation kein Schlusspunkt ist, sondern ein Doppelpunkt. Wir meinen nämlich: Konfi ist mehr ....

Warum gibt es aber überhaupt eine Konfirmation und eine Konfirmandenarbeit? In der Bibel kommt der Begriff nicht vor – aber vielleicht die Sache? Was sind die Ziele und Inhalte, was sind die Hoffnungen und Wünsche für die Jugendlichen, die wir damit in unserer Ev. Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath verbinden?

 

Taufe und Konfirmation

Theologisch gesehen muss die Konfirmation von der Taufe her verstanden werden. In den Anfängen der Christenheit war die Taufe meistens (aber wohl nicht ausschließlich) eine Taufe mündiger Menschen, die als Christen getauft werden wollten. Dieser Taufe ging immer auch eine christliche Unterweisung, ein Taufunterricht, voraus.

Mit der Taufe von Säuglingen und Kleinkindern fiel diese ursprünglich unmittelbare Verbindung weg. In der Taufe von Kindern wurde nunmehr das aller menschlichen Entscheidung zuvorkommende einseitige „Ja“ Gottes zu einem Menschen gesehen – und Eltern und Paten wurden und werden bis heute bei der Taufe eines Kindes darauf verpflichtet, den getauften Kindern dieses „Ja“ Gottes nahe zu bringen. (Anmerkung: Das Problem ist oft, wie wenig ernst dieses Versprechen genommen wird.)

Eltern und Paten sollen aber bei der Umsetzung dieses Versprechens nicht alleine gelassen werden. Die Kirche möchte ihnen dabei helfen: z.B. durch das Erzählen biblischer Geschichten im Kindergarten oder durch ihre Kinder- und Jugendarbeit. Und deshalb gibt es auch den Konfirmandenunterricht: Er soll und kann nun verstanden werden als ein nachgeholter Taufunterricht. Konfirmandenunterricht geschieht nicht zuletzt mit dem Ziel, dass die getauften Kinder nunmehr ihr eigenes „Ja“ als Antwort auf das „Ja“ Gottes zu ihrem Leben geben können. Wichtig ist uns dabei, dass bei diesem „nachgeholten Taufunterricht“ nicht nur der Verstand angesprochen wird. Es geht ja um „Glauben“ und Glaube (Vertrauen) ist immer auch eine Sache des Herzens.

Bei uns in Rupelrath ist es oft aber auch so, dass manche Jugendliche den Konfirmandenunterricht besuchen, die noch nicht getauft sind. Für sie ist der Konfirmandenunterricht dann das, was er ursprünglich war: nämlich Taufunterricht. In der Regel ist es dann so, dass diese Kinder dann im Konfirmationsgottesdienst getauft werden.

Aber Konfi ist mehr ...

 

Konfis erleben Gemeinschaft

In der Konfirmandenarbeit treffen sich Jungen und Mädchen (teilweise treffen sie sich nach einer gemeinsamen Grundschulzeit auch wieder), die auf unterschiedliche Schulen gehen, die aus unterschiedlichen „Milieus“ kommen, die unterschiedliche Interessen und Fragen und Hobbys haben. Sie sind in der Regel ein Spiegelbild der Vielfalt der Menschen, die es in einer Gemeinde gibt. Es ist Ziel der Konfirmandenarbeit, dass diese unterschiedlich geprägten Menschen einander begegnen, ins Gespräch kommen, sich kennenlernen und sich in ihrer Unterschiedlichkeit annehmen und wertschätzen. Das entspricht dem Bild, das die Bibel von einer christlichen Gemeinde hat: eine Gemeinschaft und bunte Vielfalt originaler und oft origineller Menschen. Und die dort erlebte Gemeinschaft in der Unterschiedlichkeit soll auch Folgen haben für ihr zukünftiges Leben: für das gelingende Miteinander von unterschiedlichsten Menschen in unserer Gesellschaft.

Deshalb gehören zur Konfirmandenarbeit viele Arbeitsformen, die dieses Anliegen unterstützen. Den wichtigsten und effektivsten Beitrag dazu bildet die Konfirmandenfreizeit. 48 Stunden in einem gastlichen Freizeitheim miteinander leben, reden, spielen, nachdenken – das bringt für eine solche Gemeinschaft mehr als der wöchentliche Konfirmandenunterricht am Dienstagnachmittag nach der Schule.

Was die Jungen und Mädchen auch inhaltlich lernen mögen oder nicht – eins ist uns wichtig: Dass sie diese Zeit der Konfirmandenarbeit als ein gute Zeit erlebt haben, an die sie sich (hoffentlich) einmal gerne zurück erinnern. Möglicherweise lässt sich an eine solche gute Erfahrung später auch noch einmal anknüpfen, wenn Menschen, die die Frage des Glaubens vielleicht für sich längst abgehakt haben, sich doch noch einmal auf der Suche nach etwas machen, was im Leben wirklich trägt.

 

Fragen stellen und Antworten suchen

Einer der Vorwürfe, der der Kirche gemacht wird, ist dass sie Antworten auf Fragen gibt, die keiner gestellt hat. In der Konfirmandenarbeit ist es wichtig, für die Fragen der jungen Menschen offen zu sein. Zuweilen werden diese Fragen offen gestellt: die Fragen nach Sinn und Wahrheit und auch die Frage nach Gott: wer er ist und wie man ihn erfahren kann. Manchmal müssen wir diese Fragen erspüren aus dem, was wir in der Begegnung mit Jugendlichen und in ihrem Verhalten entdecken.

So wollen wir in unserer Rupelrather Konfirmandenarbeit immer wieder neu versuchen, die Botschaft des Evangeliums gemeinsam mit den Jugendlichen zu entdecken: lebensrelevant und mit großer Achtsamkeit für ihre Fragen und Lebenssituationen.

 

Weitblick bekommen

Wichtig ist uns als Rupelrather Gemeinde auch, dass die Jugendlichen während der Konfirmandenzeit einen Weitblick bekommen im Blick auf unsere Welt in der Nähe und der Ferne. Wir vertrauen einem Gott, der nicht nur den jeweiligen einzelnen Konfirmanden, sondern der die ganze Welt liebt und der uns nach unserer Verantwortung für diese Welt fragt. Weder ist unser christlicher Glaube ein privates religiöses Ruhekissen noch ist eine christliche Gemeinde eine Insel der Seligen. Der Gott, der uns gewollt hat und uns liebt ist auch der Gott, der uns braucht: als Menschen, die nach seinem Willen fragen und ihn in der Welt und für die Welt leben. Weltverantwortung im Sinne von Nächstenliebe und gesellschaftlicher Verantwortung gehören deshalb auch unabdingbar zu den Themen der Konfimandenarbeit.

 

Problemanzeigen

Bis zur Konfirmation in diesem Jahr 2011 hat sich die Konfirmandenzeit auf über etwa 20 Monate erstreckt. Das ändert sich ab diesem Jahr. Die immer größere Beanspruchung der Jugendlichen durch die Schule und durch den uns von der Schule (halbwegs) garantierten Freiraum lediglich am Dienstagnachmittag in der Woche, hat uns schweren Herzens dazu veranlasst, die Konfirmandenarbeit auf ein Jahr zu verkürzen. Durch die kirchliche Rahmenordnung sind 90 Lerneinheiten (Zeiteinheit: 45 Minuten) vorgegeben. Wir planen deshalb mit 90 minütigen Doppelstunden. Aber: der gesamte Weg, den wir miteinander gehen können, wird kürzer. Es ist weniger Zeit da um einander gut kennenzulernen und gute und vertrauensvolle Beziehungen zu entwickeln.

Erschwerend kommt hinzu, dass Mitarbeitende aus der Jugendarbeit, die im Konfi-Team mitarbeiten, oftmals nach einiger Zeit wieder aussteigen müssen, weil sich ihr Stundenplan geändert hat. Angefangene Beziehungsarbeit muss oftmals wieder abbrechen.

Nichtsdestotrotz gilt: Wir wollen das Geschenk, dass junge Menschen sich für die Konfirmandenarbeit interessieren, nutzen: in ihrem eigenen Interesse und im Interesse von Kirche und Welt. Wir hoffen, dass diese Zeit für diese jungen Menschen eine gute und schöne Zeit ist, vor allem aber auch eine gesegnete Zeit.

 

Hans Wilhelm Ermen

 
    © Ev. Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath 2017