| Home| Kalender| Anfahrt| Kontakt| Impressum
Presbyterium Förderverein Kapelle St. Reinoldi Kindertagesstätte Predigten Themen

Dankbarkeit

Viele von uns müssen die Ernte nicht mehr selbst einholen. Bei den wenigsten hat ein verregneter Sommer direkte Auswirkung auf ihren wirtschaftlichen Erfolg - und doch ist Dankbarkeit etwas, das uns immer wieder bewegt. Lesen Sie von Menschen, die dankbar sind - und wofür wir dankbar sein können.

Inhalt

Interview mit Bauer Karl-Otto Dickhoven und Unternehmer Thomas Meyer

Das E durch das A Ersetzen - eine kleine Übung zum Erntedank

Banner Dankbarkeit
Foto: Hans Wilhelm Ermen

Von Erfolg und Dankbarkeit


Hanna Schott im Gespräch mit einem Bauern und einem Unternehmer

 

Ich treffe Karl-Otto Dickhoven auf seinem Hof neben der Rupelrather Kapelle. Es ist ein kühler, windiger Tag Mitte August.

Haben Sie heute schon etwas geerntet?

Nein, es hat ja wieder geregnet.

Schade. Ich stelle mir immer vor, die Erntezeit ist für den Bauern die schönste Zeit des Jahres.

tl_files/themen/dankbarkeit/DSC_0021.jpegDas war früher mal so. Da habe ich es richtig genossen, wenn ich das Getreide zur Genossenschaft gefahren habe. Irgendwie ist das vorbei. Das ist nicht mehr so ein Einschnitt. es geht immer weiter und weiter mit der Arbeit. Auch das Erntedankfest geht da irgendwie unter. Früher ruhte im Winter die Arbeit. Heute kümmert man sich um die ganze Bürokratie, baut an der Biogasanlage, man kalkuliert, arbeitet trotz Eis und Schnee ... andererseits ernte ich eigentlich jeden Tag. Wir haben ja 200 Milchkühe, und die werden jeden Tag gemolken.

Glauben Sie, dass die Menschen früher dankbarer waren?

Auf jeden Fall. Durch die Mechanisierung ging dieses Gefühl ein Stück weit verloren. Man war damals abhängiger von der Natur und dann froh, wenn trotz aller Schwierigkeiten die Ernte eingefahren werden konnte. Nach einem Sommer wie diesem hätte es allerdings früher wahrscheinlich eine Hungersnot gegeben. Im April und Mai hat es überhaupt nicht geregnet, jetzt versinkt alles im Matsch. Das können wir heute bewältigen. Da kann man auch dankbar sein.

Das Wetter ist einer der wenigen Faktoren, die auch in der modernen Welt nicht beeinflussbar sind (wenn man mal von chinesischen Wolkenschiebern vor den Olympischen Spielen absieht). Ärgert Sie das?

Nein, ich bin gerne mit der Natur verbunden, mit den Pflanzen und Tieren. Das ist in unserer Familie ja Tradition. meine Söhne bilden die vierte Generation auf diesem Hof. Seit 1920 ist unsere Familie hier, und ich bin meinen Großeltern und Eltern sehr dankbar. meine Großeltern kamen übrigens mit einer Kuh und einem Schwein hier an. Ja, der Anfang der Wirtschaft war die Landwirtschaft, und wir sind noch dabei, auch wenn die meisten sich vom Land abgewandt haben.

Wann sind Sie so richtig rundherum zufrieden?

Wenn ich mir klarmache, dass ich mein ganzes Leben in einer friedlichen Zeit verbracht habe. mein Großvater war im ersten Weltkrieg Soldat, mein Vater im Zweiten. und ich bin jetzt schon 58 Jahre und habe nur Frieden erlebt. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Ich sitze am Esstisch der Familie Meyer und blicke über das Bergische Land. Thomas Meyer ist geschäftsführender Gesellschafter von KSS Klingelnberg, einem Unternehmen, das weltweit Maschinenmesser produziert und vertreibt.

Haben Sie in diesem Jahr eine gute „Ernte“ eingefahren?

Ja, das habe ich. 2009 war ja wegen der Finanzkrise ein katastrophales Jahr, da hatten wir fast 27% weniger Umsatz. Dennoch ist es uns gelungen, fast ganz ohne Entlassungen durch die letzten zwei Jahre zu kommen. Und jetzt, 2011, kann man sagen, dass wir gestärkt aus der Krise hervorgegangen sind. Die Tatsache, dass wir die schwierige Zeit als Firma gemeinsam gemeistert haben, hat uns gestärkt und auch zuversichtlicher gemacht im Blick auf die Zukunft.

tl_files/themen/dankbarkeit/Thomas Meyer.jpgGibt es bei Ihrer Arbeit so etwas wie einen „Jahreskreis“, oder ist das Jahr für Sie eher eine (Renn-)Strecke als ein Kreis?

 Wir denken auch in einem Kreis: Der Vertrieb denkt immer vom 1. Oktober aus, dann wird nämlich das Budget geplant, die Ziele, das Personal. Im Januar folgt die Zielkonferenz, im Sommer die Zwischenbilanz, Mitarbeitergespräche ... und zum Jahresende feiern wir dann eine Art Erntedankfest, also quasi bei der Weihnachtsfeier. „Ernten“ tun da übrigens alle, denn jeder Mitarbeiter ist bei uns am Firmenerfolg beteiligt. Als Strecke stelle ich mir eher die 3- bis 5-Jahresplanung vor.

Die Produktion von Messern ist ja von Jahreszeiten und Wetterbedingungen ganz unabhängig. Hat das Erntedankfest für Sie dennoch eine Bedeutung?

Bei Messern, die Holz schneiden, haben wir auch mit der Natur zu tun, vom Bäumefällen und -entrinden bis zu Spanplatte und Furnier. Und natürlich bei der Papierherstellung. Auch in der Wirtschaft gibt es außerdem ein Klima, konjunkturelle Zyklen, Stürme usw.

Die Finanzwelt fährt zurzeit Achterbahn. Macht Sie das nervös?

Ja, es macht mich nervös, weil ich sehe, dass viele Politiker nicht den Mut haben, den Rahmen zu setzen. Stichwort: Haftung für Finanzgeschäfte.

Wann waren Sie zuletzt so richtig von Herzen dankbar?

Ich bin jeden Tag dankbar. Ich bin ja ein freiheitsliebender Mensch und freue mich deshalb, dass ich eine Aufgabe habe, bei der ich kaum fremdbestimmt arbeiten muss. Ich bin über Höhen und durch Tiefen gegangen, aber ich war nie allein, denn ich fühle mich von Gott geführt.

Ganz konkret war ich in diesem Sommer an einem Tag besonders zufrieden und dankbar: Als wir nämlich unseren neuen Strandkorb bekamen und ich mit meiner Frau zum ersten Mal da drin saß und über den Garten geschaut habe.

 

Das E durch das A ersetzen

Eine kleine Übung zum Erntedank

 

Durch einen kleinen Buchstabentausch verwandelt sich das Denken in Danken. Beide Wörter haben nämlich das Meiste gemeinsam. Außerdem haben Sprachforscher entdeckt, dass sich das Wort „danken“ tatsächlich aus „denken“ entwickelt hat. Wer also sagt: „Ich denke“, der müsste auch danken können. Aber leider ist dem nicht so. Durch unser Denken sind große Erfindungen möglich geworden, und wir sind zu Erkenntnissen gekommen, durch die sich vieles im Leben verändert hat.

Aber das Denken verführt auch zum Grübeln, zum Zweifeln, zur Überheblichkeit, oder es endet in dem Satz des Philosophen: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“

Sobald wir in unser Denken und Nachdenken den Gott mit einbeziehen, der alles geschaffen hat, kann das Danken beginnen, denn wir haben die Adresse gefunden, die unseren Dank entgegennimmt. Brot und Gesundheit, Handy und Wohnung können nicht die Adresse sein, sie sind nur der Anlass für unseren Dank. Denkend mache ich mir bewusst, was der Apostel schreibt: „Wie kannst du es dir nur einreden, du habest alles nur von dir?“

Empfänger sind wir, immer nur Empfänger, immer auf Gott angewiesen. Darum, wer sich weigert zu danken, erniedrigt den Geber – Gott.

Als Empfänger werde ich mir bewusst, dass es immer ein Anderer ist, der mich beschenkt, der mir Gutes tut: Gott – oder auch ein Mensch. Das bewusste oder nur so dahingesagte „Gott sei Dank“ ist ein Bekenntnis im Telegrammstil, das die Beziehung erneuern kann. Ich habe die Erfahrung gemacht: Sobald ich für das Alltägliche danke, wird es wertvoller für mich, weil ich es in Beziehung zu Gott bringe.

Gerade als Ältergewordener singe ich gerne am Morgen mit Paul Gerhard: „... dass unsre Sinne wir noch brauchen können und Händ und Füße, Zung’ und Lippen regen, das haben wir zu danken seinem Segen. Lobet den Herren!“

So verbinden sich Freude und Dank – ich darf noch so vieles! Unser Denken kann uns manchmal dazu verführen, aus Überheblichkeit blind zu werden. Aber es kann auch zu dem Bekenntnis leiten: „Gott, ich danke dir, dass ich überhaupt glauben darf, dass mich das Evangelium erreicht hat, dass ich bei Jesus all das abladen kann, was mich umtreibt, und dass ich in einer Gemeinde lebe, in der ich mit vielen anderen danken und loben kann.“

Manchmal ist es hilfreich, etwas schwarz auf weiß zu besitzen – darum mein Vorschlag: Reservieren Sie sich eine stille Stunde, nehmen Sie ein weißes Blatt Papier, einen Stift – mehr brauchen Sie nicht, denn ohne großes Nachdenken wird Ihnen vieles einfallen, wofür Sie allen Grund haben, dankbar zu sein. Ich vermute, das Blatt ist schnell vollgeschrieben. Ich habe es selbst ausprobiert und war überrascht: Womit habe ich das alles verdient? Ich bin ja eigentlich so reich!

Einer, der viel über das leben nachgedacht hatte, begnügte sich mit dem Satz: „Cogito ergo sum – ich denke, also bin ich.“ Als Christ erweitere ich den Satz:

„Ich denke und danke Gott, also bin ich.“

Also erst das E durch das A ersetzen, dann beide Worte gleichzeitig gebrauchen – das könnte Ihr Erntedankfest sein.

Joachim Deckelmann

 
    © Ev. Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath 2017