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Presbyterium Förderverein Kapelle St. Reinoldi Kindertagesstätte Predigten Themen

Ostern

©Claudia-Hautumm@pixelio.de

Die verändernde Kraft von Ostern

Ist Jesus wirklich auferstanden?
War das Grab tatsächlich leer?
Gab es wirklich mehr als 500 Augenzeugen, die Jesus nach der Kreuzigung lebend gesehen haben?

Einige meiner Konfis haben da ihre Zweifel: Vielleicht war es eine Halluzination. Vielleicht haben die Jünger den Leichnam geraubt und danach behauptet, Jesus sei auferstanden. Ob Auferstehung, Mondlandung oder
11. September: Verschwörungstheorien sind beliebt, nicht erst seit es YouTube gibt.

Trotz vieler glaubwürdiger Quellen und Hinweise, und obwohl ich davon überzeugt bin, dass es wahr ist: Beweisen kann ich meinen Konfis nicht, dass Jesus auferstanden ist. Es gibt keine Beweise, nur Hinweise.
Der überzeugendste Hinweis sind Menschen, in deren Leben Ostern noch heute seine Kraft entfaltet. Die anders leben, als man es erwarten würde. Weil sie von Gottes verändernder Kraft gepackt wurden, die seit der Auferstehung von Jesus Christus in dieser Welt wirkt.

Wobei – wenn es danach geht, dann muss ich bekennen, dass ich oft genug die Auferstehung geleugnet habe.

So wie der britische Autor Peter Rollins es in einem Vortrag ausdrückte:
„Man fragte mich einmal, ob ich die Auferstehung leugne. Ich antwortete: selbstverständlich.
Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich die Auferstehung leugne.                   
Jedes Mal, wenn ich meinem Nächsten nicht helfe, jedes Mal, wenn ich an Menschen vorübergehe, die arm sind, verleugne ich die Auferstehung. Jedes Mal, wenn ich an einem ungerechten System teilnehme, verleugne ich die Auferstehung.“

Genau so kann ich die Auferstehung durch mein Handeln
bestätigen:

„Wenn ich mich für diejenigen einsetze, die am Boden sind,
bestätige ich die Auferstehung, wenn ich für die Menschen spreche, deren Zunge gelähmt ist, wenn ich für die Menschen weine, die keine Tränen mehr haben.“

Das ist es, was ich uns wünsche: dass wir die Auferstehung nicht nur für wahr halten, sondern bestätigen, indem wir teilnehmen an dieser anderen Art zu leben. Indem wir der verändernden Kraft der Auferstehung Raum geben in unserem Leben und dieser Welt.

In diesem Sinne ein fröhliches Osterfest mit dem Auferstandenen,

Wolfgang Arzt

©Lilo Kapp@pixelio.de

„... auferstanden von den Toten ...“

Auferstehung Jesu – das Zentrum christlichen Glaubens
Im Zentrum des christlichen Glaubens stehen zwei Ereignisse, in denen die Botschaft christlicher Hoffnung begründet ist: die Kreuzigung Jesu am sogenannten Karfreitag und seine Auferweckung durch Gott am Ostermorgen. Beide Ereignisse gehören zusammen und sind nicht voneinander zu trennen. Das Kreuz, so grausam und anstößig es zweifellos ist, ist gleichzeitig Ausdruck der grenzenlosen Liebe Gottes. Und die Auferstehung, so unbegreiflich sie unserem Verstand ist, ist zugleich das Zeugnis von Gottes Macht über alle Todesmächte. Ich möchte diesem Gedanken „eine Schüppe tiefer“ nachgehen.

Auferstehung Jesu – daran hängt alles
Kann es denn keinen christlichen Glauben geben ohne die Botschaft von der Auferstehung Jesu von den Toten? Ist das nicht ein unnützes Ärgernis für unseren Verstand? Hat das Leben Jesu nicht alles zu bieten, was der christliche Glaube braucht? Würde es nicht völlig ausreichen, wenn „die Sache Jesu“ weiterginge?
Wir können nicht ignorieren, was der Apostel Paulus sagt: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“ (1. Korinther 15,14). Und dabei ist für ihn ganz klar: Zur Auferstehung gehört auch das leere Grab. Ohne die Wirklichkeit des leeren Grabes wäre die Nachricht von der Auferstehung Jesu von den Toten schnell als „Falschmeldung“ erledigt gewesen.

Auferstehung Jesu – mehr als der Verstand begreifen kann
Dass wir uns mit der Botschaft von der Auferstehung Jesu schwertun, das ist nur zu begreiflich. Sie widerspricht aller menschlicher Erfahrung. Sie ist nicht zu begreifen. Sie geht nicht auf in den Dimensionen unseres menschlichen Denkens. Und alle Versuche – bis in die neueste Zeit hinein – die Auferstehung Jesu erklärlich zu machen, stehen in der Gefahr, sich diese unglaubliche Botschaft durch das begrenzte menschliche Denken gefügig zu machen. Wenn es sich hier um das Tun Gottes handelt, dann ist dieser Versuch untauglich. So wie Gott selbst nicht im menschlichen Denken aufgeht, so wenig ist dieses schöpferische Tun am gekreuzigten und begrabenen Jesus mit unserem menschlichen Verstand fassbar.

Auferstehung Jesu – der Tod hat nicht mehr das letzte Wort
Wir haben von einem schöpferischen Tun Gottes gesprochen. Das meint, dass es beim Ostergeschehen um mehr geht als um die Wiederbelebung eines Verstorbenen. Wer die Ostergeschichten nachliest, der entdeckt, dass Jesus mit einer völlig neuen Seinsweise beschrieben wird. Er erscheint seinen Jüngern und verschwindet vor ihren Augen wieder. Er unterliegt offensichtlich nicht mehr den irdischen Gesetzen. Zu den irdischen Gesetzen gehört aber auch, dass menschliches Leben „todsicher“ ist. Die neue Existenz Jesu ist es nicht mehr. Die Botschaft von der Auferstehung Jesu heißt deshalb: Der Tod ist nicht mehr die letzte Wirklichkeit und hat nicht mehr das letzte Wort. Gottes Macht und Gottes Liebe sind stärker als der Tod. Was an Ostern mit Jesus geschehen ist, das soll auch mit uns geschehen. Wir dürfen glauben, dass wir verwandelt werden in eine neue Seinsweise, die Zukunft hat bei Gott.

Auferstehung Jesu – Gott hat Jesus Recht gegeben
Als Jesus am Kreuz starb, lautete die nahezu einhellige Meinung der Augenzeugen: Jesus bekommt am Kreuz die Quittung für sein gotteslästerliches Leben. Und auf der Liste der angeblichen Verfehlungen Jesu standen Dinge wie Freundschaft mit Zöllnern und Sündern, Brechen des Sabbatgebots zum Zwecke einer Heilung, Anmaßung von göttlicher Vollmacht durch Vergeben von Sünden durchaus zwielichtiger oder moralisch bedenklicher Personen. – Die Auferstehung Jesu aber macht deutlich: Gott stellt sich auf die Seite Jesu. Seine Verkündigung der Liebe Gottes und das Handeln, das zu dieser Verkündigung gehörte, geschahen zu Recht in Gottes Namen. In Jesus dürfen wir Gott erkennen.

Auferstehung Jesu – Ostern heute leben
Von Ostern will ganz viel Hoffnung und Trost in unser Leben kommen. Es nimmt unserem Leben sozusagen den Trauerrand der Vergeblichkeit und die Schatten einer dunklen Zukunft.
Aber mit der Botschaft von Ostern ist auch ein Auftrag Jesu verbunden, nämlich den Todesmächten dieser Welt – wie er es tat – den Kampf anzusagen: den Mächten der Krankheit, der Willkür und der Ungerechtigkeit, der Arroganz frommen Hochmuts, der Ausgrenzung von Menschen, die uns nicht sympathisch sind, dem Egoismus der Ellbogengesellschaft ...

Ostern, das nicht ins Osterleben hineinfindet, lässt Jesus im Grab. Ostern will als Hoffnungsbotschaft in die Welt: nicht nur mit Osterliedern und Osterpredigten, sondern mit einem gelebten österlichen Leben. Das „Packende“ dabei ist, dass wir mit dem Auferstandenen Jesus reden und rechnen – so wie er es seinen Jüngern versprochen hat: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Hans Wilhelm Ermen

©Irene-Lehmann@pixelio.de

Osterlachen –
oder:
Wer zuletzt lacht, lacht am besten

Das Osterlachen – ein alter Brauch wird wiederentdeckt
Ein alter Osterbrauch hat Einzug gehalten in die Kirchen – und erstmalig wohl auch in evangelische Kirchen: das sogenannte Osterlachen. Was passiert da? Wer lacht da und warum?
Am Ende des Gottesdienstes, schon nach dem Segen und noch vor der Verabschiedung, erzählt der Pfarrer einen (hoffentlich) guten Witz – und entlässt die Gemeinde (oster)lachend ins Freie. Im letzten Jahr erzählte uns Kirchenrat Dr. Stefan Drubel einen solchen Witz nach dem Gottesdienst am Ostersonntag:
„Ein Missionar wird von einem Rudel Löwen angegriffen. Ehe er in Ohnmacht fällt, spricht er ein Stoßgebet: ‚Lieber Gott, mache diese Bestien zu frommen Christen!‘ Als der Gottesmann sein Bewusstsein wieder erlangt, haben die Löwen einen Halbkreis um ihn gebildet und beten: ‚Komm, Herr Jesu, sei unser Gast und segne, was du uns beschert hast ...‘“
(Oster)lachend verließen wir die Christuskirche.

Das Osterlachen – zwischen Kritik und Selbstkritik
Kritisch mag man anmerken: Was mögen die Gottesdienstbesucher zu Hause von diesem Gottesdienst erzählt haben? Die Predigt oder den Witz? Und vielleicht ist das der Grund, warum die alte katholische Tradition des Osterlachens in einem strengen Protestantismus nach der Reformation auf erbitterte Ablehnung stieß. (Zumal die Art und Weise, die Gemeinde zum Lachen zu bringen, wohl oft auch grenzwertig war.)
Selbstkritischer mag man aber auch fragen: Warum geht es in unseren Gottesdiensten oft so ernst zu? Haben wir denn nichts zu lachen?  Nein, durchaus nicht immer – aber doch wenigstens grundsätzlich?! Hat die Freude, die in der „Guten Nachricht“ zur Sprache gebracht wird, nicht vielleicht auch eine Nähe zum Lachen?
Das Osterlachen – was gibt es da zu lachen?
Aber warum gerade ein „Osterlachen?“
Weil im Ostergeschehen der tiefste Grund für alle christliche Freude und alles befreite Lachen steckt. Wir haben doch allen Grund zum Lachen. Aber Lachen ist nicht gleich Lachen. Welchen Charakter hat dieses Osterlachen?

Mir scheint, das Osterlachen hat einen vielfältigen Charakter:

Das Osterlachen als Entdeckung des Humors in der Kirche
Ich finde es schön, wenn man entdeckt, dass zu der uns von Gott geschenkten Geschöpflichkeit und Sinnlichkeit auch der Humor gehört: Es darf in Gottes Namen auch gelacht werden. Was spricht dagegen, diese Entdeckung an einem solchen Feiertag wie Ostern zur Geltung kommen zu lassen? Aber bitte nicht nur an Ostern! Und bitte nicht bei der Frage des Humors in der Kirche stehenbleiben. Das Osterlachen hat nämlich noch eine tiefere Bedeutung.

Das Osterlachen als Auslachen der gottfeindlichen Mächte
„Die Welt ist mir ein Lachen ...“, so heißt es in einem Osterlied. Es ist das Lachen, das um die alte Weisheit weiß: „Wer zuletzt lacht, lacht am besten!“ Und man lacht dabei die aus, die eben noch meinten, auf hohem Ross sitzen zu können. Ostern bringt die Botschaft, dass Gott das letzte Wort hat über alle Arroganz, Bosheit und Dunkelheiten der Welt, die mir zu schaffen machen. Auch wenn diese es sich noch nicht eingestehen und dagegen aufbegehren: Das Urteil über sie ist gefällt. Deshalb dürfen sie ausgelacht werden – und damit auch entwaffnet. Was ich auslache, das hat keine Macht mehr über mich! 
Ich gestehe aber auch: So einfach geht das nicht. Zu sehr spüre ich zuweilen auch noch ihre bittere Macht. Deshalb ist dieses (Oster-)Lachen immer auch „zeichenhaft“: ein Vorzeichen der neuen Welt Gottes, die in die Gegenwart hineinscheint.

Das Osterlachen als Lachen der Erlösten
Einen alttestamentlichen Vorgeschmack auf dieses Osterlachen entdecke ich in Psalm 126,2: „Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Dann wird man sagen unter den Heiden:
Der HERR hat Großes an ihnen getan!“ 
Es ist ein Lachen, das die Freiheit wahrnimmt, die Gott geschenkt hat: die Freiheit von Leid, Schuld und Tod. Ostern hat die Antwort gegeben auf diese uns so bedrängenden Fragen. Wer angesichts dieser Fragen so gar nicht lachen kann, der muss in Ostern und Jesus, den Sieger von Ostern, entdecken!

Der Osterwitz am Ende des Gottesdienstes soll und darf also nicht die Osterbotschaft überlagern. Aber vielleicht könnte er wirklich etwas sein, das uns auf die Spur bringt: Wer dem Auferstandenen begegnet, hat wirklich allen Grund zur Freude – und zum Lachen.

Hans Wilhelm Ermen

 
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