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Presbyterium Förderverein Kapelle St. Reinoldi Kindertagesstätte Predigten Themen

Gottesdienst

Vom Gottesdienst am Sonntag und unserem Gottesdienst im Alltag

 

Ein lebendiger Gottesdienst

Die hohe Geistlichkeit war mit sich und dem gottesdienstlichen Engagement der Gemeinde zufrieden. Der Gottesdienstbesuch war wahrscheinlich beneidenswert. Das religiöse Leben blühte. Gemeindeleben, wie man es sich erträumt.

Die Rede ist von einem Gemeindeleben vor mehr als 2700 Jahren in Israel. Was für die fromme Gemeinde ein wahrer Traum war, das war für Gott offensichtlich eher ein Albtraum. Und so schickt er seinen Propheten Amos mitten hinein in eine gottesdienstliche Feier im Tempel von Bethel. Amos geht hin und beginnt seine Predigt, ohne lange um Erlaubnis zu fragen:

 

Eine schockierende Predigt

„Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.“


Der Schock in der Gemeinde sitzt tief. Allerdings weniger über die gehörte Botschaft als vielmehr über diesen Störenfried Amos. Und so wird dem Propheten Amos von der hohen Geistlichkeit sofort die „rote Karte“ ge- zeigt und er des Tempels verwiesen. Er hat kein Recht, die religiöse Stimmung zu stören.


Ein wachrüttelnder Gott

Aber nicht Amos ist es, der stören will. Gott selber steht hinter diesen Worten seines Propheten. Er will seinem Volk unmissverständlich klar machen, dass zum Gottesdienst am Sonntag der Gottesdienst im Alltag gehört.

Es ist für Gott unerträglich, wenn der Gottesdienst am Sonntag keine Konsequenzen für das Leben im Alltag hat. Wenn Menschen im Gottesdienst die Güte und Gerechtigkeit Gottes loben – und im Alltag äußert sich ihr Leben in Lieblosigkeit und Ungerechtigkeit. Wenn Menschen sich gerne von Gott dienen lassen, sich aber weigern, den Menschen zu dienen.

 

Der Gottesdienst im Alltag
 

Gott freut sich über jeden Menschen, der zum Gottesdienst kommt und sich von ihm dienen lässt. Aber jeder Gottesdienst weist über sich hinaus. Im Gottesdienst am Sonntag soll der Glaube alltagstauglich werden.

Der Gottesdienst am Sonntag will mir deshalb die Augen für die Welt öffnen und mein Gewissen schärfen. Deshalb zeigt er mir im Gottesdienst am Sonntag immer wieder auch die Welt vor der Kirchentür, in die es nach dem Gottesdienst zurück geht: unseren Ortsteil Aufderhöhe, die Stadt Solingen, Deutschland, die Welt mit so vielen schönen Dingen – aber eben auch den vielen Nöten und manch menschlicher Ungerechtigkeit, die zum Himmel schreit. Das ist die Herausforderung für den Gottesdienst im Alltag. Da soll und muss sich der Glaube bewähren.

 

Und das heißt konkret:

Gottes Liebe will in meinem Leben im Alltag Gestalt gewinnen als tätige Liebe im Blick auf meinen Nächsten in seiner Not.
Gottes Gerechtigkeit will in meinem Leben im Alltag Gestalt gewinnen als Einsatz für Gerechtigkeit für die, für die sonst keiner eintritt und deren Recht mit Füßen getreten wird.
Der Gottesdienst am Sonntag will mir dafür die Au
gen öffnen. Er will mir durchaus zeigen, wer ich selber in Gottes Augen bin: ein von Gott geschaffener und geliebter Mensch. Das soll meiner Seele gut tun. Aber darauf soll und darf ich mich nicht ausruhen. Was Gott mir Gutes getan hat, soll auch jeden anderen Menschen erreichen. Der Montagsglaube ist gefragt – jeden Tag.

Ich wünsche Ihnen einen fröhlichen und tatkräftigen Montagsglauben,

Hans Wilhelm Ermen

Gottesdienst


Der Gottesdienst ist das Kernstück der christlichen Gemeinde. Er ist ihre Mitte, Lebens- und Kraftquelle für den Glauben an den dreieinigen Gott und der Ort der Sammlung der Gemeinde und ihrer Sendung in die Welt.

Er wird bei uns nicht nur, aber vornehmlich an jedem Sonntag in der Erinnerung und der Freude über den Tag der Auferstehung Jesus Christi und seinen Sieg über den Tod gefeiert.

 

Biblische Grundlagen

Die frühe christliche Gemeinde hat von Anfang an Gottesdienst gefeiert. Dabei gab es drei verschiedene Entstehungsorte:

Jesus hat selbstverständlich den Tempel in Jerusalem aufgesucht und dort die jüdischen Gottesdienste mit- gefeiert. Nach seinem Tod und seiner Auferstehung nahmen manche seiner Anhänger dort an bestimmten Gebeten teil und bezeugten dabei offen ihren Glauben an die Auferweckung Jesu durch Gott.

Auch in den Synagogen außerhalb Jerusalems, in denen die jüdische Glaubenslehre weitergegeben und gemeinsam gebetet wurde und die Jesus zu seinen Lebzeiten oft aufgesucht hatte, nahmen urchristliche Gruppen an den Versammlungen teil. Nach zahlreichen Konflikten wurden sie jedoch aus der Synagoge aus- geschlossen.

Dennoch übernahmen die frühen Christen einige Formen und Abläufe der synagogalen Zusammenkünfte, so z. B. das Verlesen heiliger Texte und ihre Auslegung.

Der urchristliche Gottesdienst entstand jedoch vor allem in privaten Häusern. Das jüdische Haus gab nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern es war der wichtigste Ort der menschlichen Begegnung. Hier wurde gemeinsam gegessen, über Brot und Wein gebetet und biblisch-theologisch diskutiert. Auch die ersten christlichen Gemeinden trafen sich in privaten Häusern zu abendlichen Mahlzeiten, „brachen das Brot hier und dort in den Häusern“ (Apg. 2,46) und legten dann die alttestamentlichen Schriften auf Christus bezogen aus. Dabei vergewisserten sie sich ihres Glaubens an Gott und feierten die Begegnung mit Christus.

Nach einiger Zeit fanden diese Treffen immer am ersten Tag der Woche statt, der den Namen „Tag des Herrn(Offb.1,10) erhielt. Am Abend dieses Tages feierte man das „Mahl des Herrn“, das einen festen Ablauf hatte,
an das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern erinnerte und es zugleich feiernd vergegenwärtigte.

 

Was ist ein evangelischer Gottesdienst?

Gottesdienste gibt es auch in nichtchristlichen Religionen. Dort werden sie meistens als Dienst an Gott oder Göttern verstanden und in genau festgelegten Riten vollzogen.

In der katholischen Kirche wird der Gottesdienst als Messe gefeiert, wobei die darin stattfindende Feier der Eucharistie das zentrale und unerlässliche Element des Gottesdienstes ist.

Die klassische Definition des christlichen Gottesdienstes finden wir bei Martin Luther, dem Wittenberger
Reformator. Im Jahr 1544 wurde in Torgau der erste reformatorische Kirchenbau, die Schlosskir
che, eingeweiht. Bei dieser Gelegenheit definierte Luther den christlichen Gottesdienst zugleich als Dienst Gottes an den Menschen und als menschlichen Dienst an Gott, indem er sagte:

„Meine lieben Freunde, wir wollen jetzt dieses neue Haus einsegnen und weihen unserem Herrn Jesus Christus, (...) auf dass nichts anderes darin geschehe, als dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang.“

Damit beschreibt Martin Luther den Gottesdienst als ein Beziehungs- und Klanggeschehen, in dem sich Begegnungen ereignen.

Im christlichen Gottesdienst dient Gott uns Menschen, und wir Menschen wiederum dienen Gott. Dabei treten wir in einen Dialog mit Gott, mit unseren Mitchristen und mit uns selbst.

Wir begegnen einander in unterschiedlichen Formen: Wir hören als christliche Gemeinde gemeinsam auf Gottes Wort, treten im Gebet und im Gesang in Kontakt zu Gott und untereinander und bekommen Gottes Lie- be, Vergebung für unsere Sünden und Gottes Segen zugesprochen.

Die Menschen der Gemeinde feiern gemeinsam den Gottesdienst. Sie sind nicht nur Zuschauende, sondern werden in das Beziehungs- und Klanggeschehen aktiv mit hineingenommen.

 

Der Gottesdienst als Dienst Gottes am Menschen: Gott dient uns

Gott kommt zu uns. Durch Worte, Lieder und Zeichen redet Gott uns an. Zugleich ist Gott selbst ansprechbar und hört uns zu.
Er ist gegenwärtig, wo sein Wort verkündigt wird und wir uns in seinem Namen versammeln, so wie es uns Jesus Christus verheißen hat, als er sagte:
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt.18,20).

Wie Gott in Jesus Christus Mensch, und damit unser Bruder und Herr geworden ist, und die Botschaft von Gottes Liebe und Vergebung allen Menschen gilt, so kommt der menschenfreundliche Gott uns auch im Got- tesdienst menschlich entgegen.

Er dient uns durch den Zuspruch seines Wortes, durch die spürbaren, sinnlichen Erfahrungen in den Sakra- menten Abendmahl und Taufe, durch das Klanggeschenk der Kirchenmusik und durch das Gemeinschaft stiftende Zusammensein mit anderen Menschen. Dazu schenkt er uns seinen Heiligen Geist.

Wir können und sollen aus jedem Gottesdienst etwas von Gott mitnehmen, das in unserem Leben weiter wir- ken, das uns begeistern oder trösten will.

 

Der Gottesdienst als Dienst des Menschen an Gott: Wir dienen Gott

Der erste Schritt unseres menschlichen Gottesdienstes ist, dass wir uns Gottes freundliche Zuwendung und Liebe gefallen lassen und dankbar annehmen. In jedem „Amen“, das wir im Gottesdienst sprechen,
bestätigen wir das und geben Gott damit die Ehre.

Im Gottesdienst dienen wir Gott aktiv. Wir versammeln uns in der Gegenwart Gottes und danken, bitten, lobsingen oder klagen. Gottesdienst feiern heißt daher: eingestimmt werden in das Gebet.
Wir machen uns damit auf einen geistlichen Weg, der Begegnung und Veränderung mit sich bringt. Gott selbst nimmt uns auf und verwandelt uns.

Wir dienen Gott jedoch nicht nur im Gottesdienst, sondern werden dort auch zum Dienst für Gott in unserem Alltag beauftragt, gesendet und gesegnet.

Der Gottesdienst am Sonntagmorgen ist also nicht beim Hinausgehen an der Kirchentür beendet, sondern wir sollen ihn weiterleben im Alltag der Welt. Unser ganzes Leben soll ein Gottesdienst sein..

Birgit Hengel

 
    © Ev. Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath 2017