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Presbyterium Förderverein Kapelle St. Reinoldi Kindertagesstätte Predigten Themen

Quereinsteiger

Quereinsteiger im Glauben

Er saß Tag für Tag in seinem Zollhaus in Kapernaum und nahm im Auftrag der römischen Besatzungsmacht den reisenden Händlern überhöhte Beträge für ihre Waren ab. Nichts war ihm heilig, und von den Leuten wurde er für sein betrügerisches Tun verachtet.
Da kam eines Tages Jesus an ihm vorbei, sah ihn und sagte zu ihm: „Komm und folge mir nach.“ Und er stand auf und folgte ihm nach.
Matthäus – Quereinsteiger im Glauben.

Gequält und verzweifelt war sie. Nichts und niemand konnte ihr wirklich helfen in ihrer Krankheit. Immer wieder verdunkelte sich ihre Seele, und sie fing an, wirres Zeug zu reden. Die anderen schauten sie schon seltsam an und wollten immer weniger mit ihr zu tun haben.
Da kam Jesus in ihr Dorf und heilte sie von ihrem Leiden, und sie folgte ihm nach.
Maria aus Magdala – Quereinsteigerin im Glauben.

Mit Feuereifer verfolgte er die junge christliche Gemeinde und verspürte Genugtuung, wenn wieder einer weniger sich zu dem neuen Glauben bekannte. Er selbst glaubte glühend an den Gott, von dem in den Schriften der Väter und Mütter geschrieben stand. Aber dass da welche behaupteten, sie wären Anhänger von Jesus von Nazareth, dem eingeborenen Sohn Gottes, das passte nicht in seine Vorstellungswelt. Doch auf einer staubigen Straße in der Nähe von Damaskus begegnete er dem auferstanden Christus – und fortan verschrieb er ihm sein Leben.
Paulus – Quereinsteiger im Glauben.

„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“
Jesaja 55,8.9
In der Bibel lesen wir immer wieder von Quereinsteigern.
Es ist faszinierend, wie Gott manchen Menschen so überwältigend begegnet, dass sie daraufhin ihr Leben total umkrempeln und voller Freude und Begeisterung Jesus nachfolgen.

Quereinsteiger belegen, dass Gott auch da wirkt, wo wir es nie vermutet hätten. Wer hätte auch nur im Traum daran gedacht, dass Jesus gerade den verachteten Zöllner Matthäus berufen würde!

Quereinsteiger zeigen uns, wie vielfältig die Wege und Weisen sind, die Gott hat, um einen Menschen heil zu machen und zum Glauben zu bringen. So wie bei der kranken Maria aus Magdala.

Quereinsteiger lassen uns ahnen, wie viel Phantasie und Liebe Gott für alle Menschen hat, wenn er sich gerade diesem Menschen offenbart. Immerhin war Paulus ein gefürchteter Christenverfolger. Auch heute noch werden Menschen von Gott konkret angesprochen und bekennen sich daraufhin in eindrucksvoller Weise zum Glauben an Jesus Christus und ändern ihr Leben. Das prominenteste Beispiel in letzter Zeit ist wohl Nina Hagen.

Quereinsteiger erleben die „Liebe auf den ersten Blick“ oder „Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert.
Tausend und eine Nacht, und es hat ZOOM gemacht.“
Man hat das Gefühl, dass Gott bei diesen Menschen so richtig „am Werk“ ist, dass man bei ihnen Gott quasi
„live“ zuschauen kann. Doch so beeindruckend das auch sein mag – in unserer Gemeinde gibt es auch viele „Normal-Einsteiger“, die kein spektakuläres Berufungsgeschehen oder eine eindrucksvolle Jesus-Begegnung erlebt haben. Sie sind in den Glauben hineingewachsen nach Art einer „Sandkastenliebe“: Als Kind getauft, den Kindergottesdienst besucht, konfirmiert worden, dann im Jugendkreis gewesen und ganz selbstverständlich in der Gemeinde mitgearbeitet. Im Lauf der Zeit erst haben diese Menschen gemerkt, wie wichtig der Glaube an Gott für ihr Leben geworden ist, und dass sie sich ein Leben ohne Jesus gar nicht mehr vorstellen wollen oder können.
Auch diese „Einsteiger“ sind Gott lieb und wert, auch in ihnen wirkt Gott. Aber vielleicht leiser, weniger beeindruckend.
Gott hat eben viele Wege.

Quereinsteiger können jedoch mit ihrer wie „frisch verliebten“ Begeisterung für Gott und Jesus Christus neuen Schwung in die Gemeinde bringen und für uns ein Anreiz sein, unsere persönliche Gottesbeziehung zu überdenken. Gott wirkt!
Freuen wir uns deshalb über jeden Quereinsteiger – vielleicht gehören wir ja selbst dazu – und seien wir gespannt auf die vielfältigen Erfahrungen, die wir mit Gott in der Nachfolge Jesu Christi machen werden!
In diesem Sinn wünsche ich uns allen eine gesegnete Zeit.

Pfarrerin Birgit Hengel

Quereinsteiger

Gott hat viele Wege


„Glaube“ ist in der Verkündigung und im Leben unserer Kirchengemeinde Rupelrath ein Haupt-Wort.

In der Konzeption unserer Rupelrather Gemeinde heißt es:
Wir sind als Evangelische Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath eine von Christus getragene und in Bewegung gebrachte Gemeinde, die auf Menschen zugeht, sie einlädt und zum Glauben an und zum Leben mit Christus ermutigt.

Menschen sollen ermutigt werden zum Glauben. Zu was sollen Menschen da eigentlich ermutigt werden? Viele haben den Eindruck: „Glaube – das ist wie eine Welt des Nebels: Nichts Genaues weiß man!“ Glaube ist zwar ein Hauptwort der Bibel und ein Hauptwort in der Kirche, und doch ist es für viele Menschen oft wenig erhellend. Bei Nachfrage entdeckt man: Es gibt kaum einen Begriff, um den sich so viele Meinungen und Missverständnisse ranken wie um das Wort
„Glaube“. Grund genug, diesem Thema mal einen Artikel in unserem Gemeindebrief zu widmen.

Räumen wir erst einmal mit ein paar Missverständnissen auf:

Das dogmatische Missverständnis
Das dogmatische Missverständnis beruht auf der Annahme, dass ein Christ ganz bestimmte christliche Aussagen der Kirche oder der Theologie glauben muss. Glaube wird hier verstanden als Zustimmung zu einer christlichen Lehre. Gefragt ist also der Verstand – und da setzen oft intellektuelle Schwierigkeiten ein, die einen zu der Überzeugung kommen lassen können: Das kann und will ich nicht glauben. Der christliche Glaube besteht aber gar nicht in der Zustimmung zu dogmatischen Lehrsätzen. Vor allem aber schafft eine Zustimmung nicht den Zugang zum Glauben.


Das moralische Missverständnis
Das moralische Missverständnis definiert den Glauben anhand eines „christlichen Lebensstils“. Der wird dann festgemacht an meiner Lebensgestaltung. Ob ich Christ bin, das entscheidet sich daran, ob ich mit meinem Leben einem gewissen christlichen „Anforderungsprofil“ entspreche.

Das sprachliche Missverständnis
Das sprachliche Missverständnis beruht auf der Mehrdeutigkeit des Wortes „glauben“. Vielfach wird es so verstanden, dass man etwas annimmt, was man aber nicht sicher weiß: „Ich glaube, dass morgen schönes Wetter sein wird – aber sicher bin ich mir nicht.“
Die biblische Bedeutung des Wortes „glauben“ geht aber in eine ganz andere Richtung. Man müsste diese Bedeutung eher mit „vertrauen“ übersetzen. Auch im deutschen Sprachgebrauch gibt es diese Bedeutung. Wenn einer z. B. sagt: „Ich glaube meinem Freund!“, dann drückt er damit sein Vertrauen aus.

Der Missbrauch des Wortes „Glaube“
Zuweilen wurde und wird mit diesem Begriff auch „Schindluder“ getrieben: In der Geschichte wurden Kreuzzüge als Ausdruck eines praktizierten Glaubens gepredigt, es wurden Waffen gesegnet oder Menschen – angeblich im Namen Gottes – unterdrückt, z. B. durch die Apartheidspolitik.

Christlicher Glaube als neuer Weg und neues Leben
Wer sich auf eine biblische Spurensuche nach dem Wesen des christlichen Glaubens macht, der entdeckt schnell: Da wird ein Weg beschrieben, nicht nur ein neues Denken. Jesus ruft Menschen in die „Nachfolge“.  Dieser Sachverhalt ist wohl auch in der Entdeckung enthalten, dass in der Zeit der Anfänge der Christenheit die Christen als „Anhänger des neuen Weges“ (Apostelgeschichte 9,2) bezeichnet wurden. Der christliche Glaube als Vertrauen zu Gott ist also mehr als eine religiöse Grundhaltung. Er verändert Menschen im Blick auf ihr Denken und ihre Lebensgestaltung – und das zuweilen radikal. Da kann das Leben noch einmal neu beginnen. Recht begriffen und recht gelebt, wird von einem solchen Leben Segen ausgehen – für einen selbst und für andere.

Quereinsteiger
Viele Christen haben schon früh auf diesen Weg gefunden. Vor allem ein christliches Elternhaus und eine christliche Erziehung haben entscheidende Weichen gestellt. Eltern können ihren Glauben zwar nicht an die Kinder vererben, aber sie können durch ein gutes Vorbild Mutmacher zum gelebten Glauben sein.
Aber auch ohne eine solche prägende Erfahrung muss der „Zug des Glaubens“ nicht abgefahren sein. Es gibt auch immer wieder „Quereinsteiger“ auf dem Weg der Nachfolge: Oft sind es Menschen, die nach einer bereits längeren Wegstrecke ihres Lebens auf ihrer Suche nach Sinn und Halt fündig geworden sind – z. B. bei einem Seminar zu Grundfragen des Glaubens.
Manchmal sind es auch Menschen, die nicht einmal gesucht haben, sondern die über eine Lebenserfahrung oder über eine Begegnung, in der sie Gott „gespürt“ oder „erfahren“ haben, Zugang zum Glauben gefunden haben.

Dreifache Wegbegleiter
Es gehört zum Wesen des christlichen Glaubens, dass dieser neue Weg nicht alleine gelebt werden muss und soll. Zum Glauben gehört
  • eine christliche Gemeinschaft.
    Christsein ist auch immer Weggemeinschaft. Menschen tragen einander – und sie tragen Gottes Licht in die Welt: mit Wort und Tat. Sie leben, was ihnen Jesus vorgelebt hat.
  • auch Zweifel und Anfechtung.
    Sie sollen und dürfen nicht verschwiegen werden. Sie sind sozusagen „siamesische Zwillinge“ des Glaubens. Sie sind begründet in der Verborgenheit Gottes, die einem manchmal zu schaffen macht. Da hilft dann oft die Weggemeinschaft der anderen.
  • die Gemeinschaft mit Jesus Christus selbst.
    Er hat seine Gegenwart versprochen „bis ans Ende der Welt“. Er ist Vorbild für die Nachfolge und Kraftquelle für den Weg.

Das Ziel
Es gibt den geflügelten Satz: Der Weg ist das Ziel. Für den christlichen Glauben könnte man sagen: Der Weg ist wirklich lohnend – aber doch noch nicht das Ziel. Das Ziel ist Gott selbst. Zu ihm führen alle unsere Wege. Und was dann? Dann sollen endgültig alle Tränen getrocknet und das Leid überwunden sein. Da bricht das Reich Gottes zu voller Wirklichkeit durch, in dem der Tod überwunden wird. Da werden wir Gott endgültig und zweifelsfrei erkennen: Gott bei den Menschen. Dann wird Gott alles in allem sein: für jeden. Ob er von Kindesbeinen auf dem Weg war oder erst spät dorthin gefunden hat.
 
Pfarrer Hans Wilhelm Ermen
 
    © Ev. Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath 2017