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Echt weihnachtlich

Echt weihnachtlich

73 % der Deutschen feiern Weihnachten am liebsten so, wie sie es als Kind kennengelernt haben. Lässt sich Weihnachten wiederholen (wieder holen)? – Nein! Was ist denn für dich/Sie echt weihnachtlich? Nur der „rot-weiße HoHoHo-Sager“, der uns seit Monaten grenzdebil-schokoladig angrinst oder als schlapper Geselle leblos vom Balkon herunterbaumelt? Die Weihnachtsbäckerei? Die eigenen Erwartungen, das Kopfkino, das uns vormacht, wie wir uns möglichst einfach und effektiv „echt weihnachtlich“ fühlen?

Genug der Fragen, Zeit für Antworten.

Echt weihnachtlich wird es, wenn zu den Gefühlen der Inhalt kommt. Wenn wir bei den Stichworten „Stall“, „Engel“, „Stern“ nicht nur „Bethlehem!“ denken, sondern „Christuskind“! 

Echt weihnachtlich wird es, wenn wir statt menschlicher Symbole Gottes Zeichen wahrnehmen: Christfest statt Weihnachten. Unsere Falle: Wir machen uns von Äußerlichkeiten abhängig. Da wird im Radio und Fernsehen Wochen zuvor die „weiße Weihnacht“ heraufbeschworen oder über „No-Go-Geschenke“ philosophiert.
Weihnachten ist die Einladung des ewigen Gottes, wesentlich zu werden. Heißt: Du bist und bleibst der von Gott gemeinte, angesprochene und geliebte Mensch, egal, ob du das glaubst, verstehst oder verlachst und spöttelst. Zum Verständnis fehlt: der Engel!
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird!

Komisch. Freude braucht man nicht anzusagen, die hat man oder eben nicht. Stimmt nicht ganz, denn diese Freude ist eine besondere. Klar, bei der Geburt eines Kindes freuen sich die Eltern und die Verwandtschaft, aber ALLES VOLK?! Dem armen Kind sieht man keine Freude an. Sein Eintritt in diese Welt ist fast so erbärmlich wie sein Abgang aus dieser Welt. Vom Stall an den Galgen. Tolle Karriere! Ja, an DEN glauben wir! Weil Glauben die einzige Möglichkeit ist, Unmögliches möglich zu machen. Wenn’s nach uns ginge, wäre am Anfang schon Schluss. Nach Gottes Logik ist mit dem Anfang schon die Vollendung da. Dass HIER aller Welt große Freude, ja, Heil widerfahren ist, verraten weder die peinlichen Umstände seiner Geburt noch die kläglichen Umstände seiner Exekution am Kreuz. DAZU brauchen wir den Engel! Während wir noch den Himmel nach Gott absuchen, hat er sich schon bei uns eingefunden – nicht über, sondern bei, ja, unter uns! Weil Weihnachten das Fest der Liebe ist und bleibt – der Liebe Gottes –, kommt Gott zu uns. Liebe braucht immer Nähe – oder sie ist keine Liebe.

Weihnachten ist also nicht Kopf- oder Bauchsache, es ist dazwischen: eine Herzensangelegenheit. Gottes Herzensangelegenheit. Die vom Engel angesagte große Freude besteht darin, mich und jeden Menschen als geliebt zu erkennen. Gott auf Augenhöhe, Gott als Mensch! Eine echte Herausforderung, zugleich große Freude, so denken, leben und lieben zu können.

Echt weihnachtlich ist, sich auf das Christfest zu konzentrieren – und dann Gottes Liebe auszuleben. Weihnachten: ein Abenteuer. Weihnachten mal so anders, dass es uns fremd wird. An anderem Ort – nein, nicht auf Sylt oder in Kitzbühel oder auf den Kanaren, sondern bei einer Alleinstehenden-Weihnachtsfeier vielleicht oder im Kinderheim …?
Der Engel. Mitten in die Angst der Hirten und unsere Angst und Sorgen ruft er: Freude! Maximalfreude – für ALLE! Gratis. Ja, echt, das ist weihnachtlich!

Der Immanuel am Anfang des Matthäusevangeliums, der Gott-mit-uns, ist Jesus Christus, der am Ende seines Lebens sagt:
„Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden … Denn siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“
Das Jesuskind als den Christus, den Herrn und Retter der Welt erkennen. So fallen Christfest und Ostern auf einen Tag.

Ein solch ganz neues Weihnachten, das zum Christfest wird und Freude ins Herz bringt, wünsche ich uns allen.

Ernst Albrecht Keller

Wenn die Kinder artig sind ...

Ich gehöre zu der Generation, bei der elementare Grundlagen der Pädagogik durch ein konkretes Kinderbuch vermittelt wurden, dem „Struwwelpeter“. In meinem Kinderzimmer stand dieses Buch – und ich las die Mahnung: Wenn die Kinder artig sind, kommt zu ihnen das Christkind. Onkel und Tanten fragten in meinen ersten Lebensjahren jedes Jahr vor Weihnachten: „Und – warst du auch artig?“ Nein – zumindest nicht immer. Die Befürchtung stand im Raum: Weihnachten könnte für mich ausfallen.

Der „Struwwelpeter“ ist heute nicht mehr aktuell, nicht zuletzt aus pädagogischen Gründen. Gott sei Dank! Aber irgendwie bestimmt er doch noch oft genug unser Bild von Gott: nämlich das Bild eines Gottes, dessen Lieblingskinder die Artigen und Braven und Angepassten sind. Er tätschelt ihren Kopf und sagt: „Braves Kind!“
Und was ist mit den anderen? Denen, die nicht brav sind oder waren? Für die gibt es wahrscheinlich den Begleiter des Heiligen Nikolaus, Knecht Ruprecht mit der Rute.

Welch großes Missverständnis, welch Missbrauch der christlichen Botschaft von Weihnachten! Gott kommt durch Jesus nicht in die Welt, um an Weihnachten (und auch sonst) die Braven zu belohnen. Um die geht es gar nicht, jedenfalls nicht in erster Linie. Weihnachten wird es wegen denen, die Gott Kummer machen:

  • den verkrachten Existenzen,
  • den Gott weggelaufenen oder abhanden gekommenen Menschen,
  • denen, die sich mit ihrem Leben verrannt haben,
  • denen, deren Leben nicht heil ist.

Gott lässt es in Jesus Weihnachten werden, um Leben heil zu machen. Sein Leben zeigt: Menschen werden nicht geheilt durch Androhung von Strafe, sondern sie werden heil durch zugesprochene Vergebung, durch erfahrene Liebe und Barmherzigkeit, durch Ermutigung zu einem neuen Anfang im Leben. Das Leben des Jesus ist ein einziger Widerspruch gegen die „Struwwelpeter- Ideologie“. Den in oder mit ihrem Leben gescheiterten Menschen gilt die Weihnachtsbotschaft:
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren.
 
Pfarrer Hans Wilhelm Ermen
 
    © Ev. Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath 2017