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Presbyterium Förderverein Kapelle St. Reinoldi Kindertagesstätte Predigten Themen

Begeistert

Begeisterung

Ich liebe die Begegnung mit Menschen, die von etwas begeistert sind. Da wird es nie langweilig. Und oft genug habe ich in solchen Begegnungen die Erfahrung gemacht:


Begeisterung steckt an

Da war unser Nachbar mit seiner Begeisterung für den Fußball. Er hat mich als kleinen Jungen mitgenommen zu einem Fußballspiel von TuS Preußen Vluyn 09 – und seitdem begeistert mich bis heute (fast) jedes Fußballspiel. Freunde haben mir und meiner Frau begeistert von ihren Reisen erzählt – und uns mit ihrer Begeisterung angesteckt und zum eigenen Reisen und Erleben motiviert. Begeisterung über ein Buch, Begeisterung über eine Begegnung, Begeisterung über ein Bild – die hat mich oft genug in meinem Leben gepackt und Horizonte und Erfahrungen eröffnet, die ich nicht mehr missen möchte.
Wo Begeisterung herrscht, da herrscht immer
„Ansteckungsgefahr“ – und schon mischt sich ein warnender Ton in die „allzu naive“ Begeisterung über jedwede Begeisterung.


Begeisterung ist fragwürdig

Begeisterung ist nicht „an sich“ schon gut. Ein zweiter Blick auf die Begeisterung lehrt zu fragen: Welcher Geist steckt denn hinter einer konkreten Begeisterung? Ist das immer ein guter Geist? Oder ist es ein „Ungeist“?
Die Begeisterung vieler Menschen im „Dritten Reich“ erinnert uns schmerzlich daran, dass Begeisterung auch missbraucht werden kann, um Menschen zu verblenden oder zu verführen. Und dieser „alte Geist“ von damals findet offensichtlich bis heute Menschen, die sich immer noch von ihm begeistern und verführen lassen.
Fragwürdige Begeisterung findet sich darüber hinaus vielfach in unserer Gesellschaft, z. B.

  • wo man sich für eine liberale Gesellschaft begeistert, obwohl dabei lebensdienliche Werte verachtet werden (u. a. die Relativierung des Sonntags als Ruhetag und der Wert von ehelicher Treue).
  • wo man sich für eine Art von Selbstverwirklichung begeistert, der es egal ist, welche Konsequenzen das für den Nächsten hat.

Jede Begeisterung ist deshalb immer auch kritisch daraufhin zu befragen, ob sie dem Menschen und der menschlichen Gemeinschaft dient. 
Grundsätzlich jedoch gilt: Begeisterung ist herrlich – sie ist ein Gottesgeschenk.


Begeisterung als Gottesgeschenk

Gott – Glaube – Begeisterung, passt das zusammen? Viele Zeitgenossen haben da so ihre Zweifel. Sie stehen dabei nicht selten unter dem Eindruck einer Erfahrung von Glaube, der als Verbot daherkommt, und einer
Kirche, die Menschen langweilt.
Wo dieser (leider oft zutreffende) Eindruck herrscht, da ist etwas schief gelaufen. Eine Kirche, die Jahr für Jahr Pfingsten feiert, hat den Menschen die Botschaft von Gottes Begeisterung zu sagen – und sie auch zu leben. Es ist eine Begeisterung, die Gott schenkt – durch seinen Heiligen Geist. Wo der wirkt, da wird es dynamisch. Wo der wirkt, da wird es lebendig. Wo der wirkt, da werden Menschen zu begeisterten und (hoffentlich) furchtlosen Anwältinnen und Anwälten für das Leben.


Begeisterung gewinnt Gestalt

Paulus fasst diese Begeisterung in einem Brief an seinen Schüler Timotheus so zusammen:
Man mag in diesen Worten des Paulus den Überschwang der Gefühle vermissen, den wir bei dem Wort Begeisterung immer mithören. Doch den gibt es durchaus: als Erfahrung des Glaubens und als Erfahrung mit Gott – immer wieder. In dieser Bibelstelle wird dagegen deutlich, dass die Begeisterung durch Gott auch immer geerdet bleibt und vor allem in ihrer Nachhaltigkeit von drei anderen Dingen geprägt wird:

  • von einer Kraft aus Gott, die nicht verzagt und die auch in schwierigen Zeiten durchhalten kann, wenn das begeisterte Gefühl sich gerade rar macht. Es ist der Geist der Kraft, der nicht resignieren lässt.
  • von einer Liebe aus Gott, die Augen hat für die Not der Welt und den Nächsten. Es ist der Geist der Liebe, der es warm und menschlich sein oder werden lässt in der Welt.
  • von einer Besonnenheit aus Gott, die darauf vertraut, dass Gott zur Kraft und Liebe auch die Weisheit schenkt, angemessen mit den Fragen und Problemen dieser Welt umzugehen.

Eine Kirche, die Pfingsten feiert, sollte sich darauf besinnen, dass ihr „Betrieb“, das Leben in ihren Mauern, kein Selbstläufer ist, sondern davon lebt, dass sie sich immer wieder öffnet für die Begeisterung, die Gott ihr schenken will. Ich hoffe, man spürt etwas davon in unserer Gemeinde.

Pfarrer Hans Wilhelm Ermen

Der Heilige Geist

Eine Geistererscheinung?

Vor seiner Himmelfahrt verspricht Jesus zum Abschied seinen Jüngerinnen und Jüngern für die Zeit bis zu seiner Wiederkunft den „Beistand aus der Höhe“, den Heiligen Geist. „Geist“ ist nicht im Sinne von Geistererscheinung/Gespenst zu verstehen, sondern damit ist Lebensatem, Lebenskraft gemeint. „Heiliger Geist“ – das steht für den „heiligen Hauch“ göttlicher Liebe, für den Lebensatem Gottes, jene unbändige, göttliche Lebenskraft, die der Schöpfung an ihrem Anfang Leben eingehaucht hat und unablässig in allem wirkt, was die Erde rund und schön macht und auf ihr lebt.

Dieser göttliche, heilige Feueratem durchweht fünfzig Tage nach Ostern, an Pfingsten, wie ein Sturmwind die Jüngerinnen und Jünger – eine verwandelnde, ermutigende Lebens- und Liebeskraft. Pfingsten gilt als Gründungstag der christlichen Kirche, der Gemeinde Jesu, der Gemeinschaft der Gläubigen untereinander und mit Jesus Christus. An Pfingsten kommt es durch das Wirken des Gottesgeistes zum Zusammenschluss der Gläubigen, zur Einheit, zur tieferen Erkenntnis der Wahrheit, zum mutigen, begeisterten Aufbruch. Die ersten Christinnen und Christen verkünden die Glaubensbotschaft und werden verstanden. Das ist Pfingsten, der Heilige Geist.

Der Heilige Geist ist die Kraft, die auch heute noch Menschen zusammenführt, einander verstehen lässt trotz aller Unterschiede, sie zur Gemeinschaft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, zur Kirche vereinigt
– Miteinander und Füreinander statt Nebeneinander und Gegeneinander und Durcheinander. Er ist die Kraft, die dazu antreibt, mit Begeisterung und Fantasie einer Welt des Todes die Botschaft des Lebens zu verkünden, die Botschaft von Jesus, dem Befreier.

Als schöpferische, beflügelnde Feuerskraft kann der Heilige Geist den Glauben erwecken in denen, die sich offen halten und voll Neugier sind. Er ist aber auch die göttliche Kraft, die beim verschlossenen Menschen Barrieren durchdringen, mitten ins Herz treffen und es auf Glauben hin öffnen kann. Er ist jene Kraft, die Menschen „vom Hocker reißt“, sie zur aufbauenden, hoffnungsfrohen Aktivität antreibt. Jenes sprühende Liebesfeuer, das im Menschen Hässliches und Böses verbrennen und die Freude an Gott, am Guten, am Frieden, an der Menschlichkeit entflammen kann. Es sind nicht die Flammen eines Strohfeuers blinder Begeisterung, sondern es ist die beständige Flamme nüchternen und kraftvollen Drängens, aus Gott und für Gott und für Menschen und Welt zu leben.

Der Gottesgeist wird in unserer Sprache „der“ Heilige Geist genannt. Im Alten Testament hingegen gibt es für Geist und Atem ein weibliches hebräisches Wort: ruach – dementsprechend ist der Geist Gottes „die“ ruach Gottes (die „Geistin“ Gottes, wobei die Vorstellungen von dieser ruach allerdings nicht so weitgehend sind wie die christliche Auffassung vom Heiligen Geist). Aber, und das ist entscheidend: Als göttliche Kraft ist der Heilige Geist weder männlich noch weiblich, sondern eben göttlich und über jegliches Vorstellungsvermögen hinaus.

Diese göttliche Kraft ist auch nicht „sächlich“, kein „Es“, sondern: Der Heilige Geist, die ermutigende Lebenskraft, verkörpert eine der drei personhaften Seinsweisen des einen unbegreiflichen Gottes der Liebe. Gottes Geist ist keine diffuse, unpersönliche Kraft (wie wir etwa von der geistigen „Kraft“ eines Menschen sprechen), sondern eine persönliche göttliche Kraft, die wir im Gebet ansprechen können.

Uli Heubel
"Woran Christen glauben"
Das Kennenlern-Buch für Neugierige

Der Geburtstag einer alten Dame

Manchmal höre ich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Besuchsdienstes unserer Gemeinde: „Je älter jemand wird, desto weniger Menschen kommen zum Geburtstagsbesuch.“ Zu runden Geburtstagen kommt der Bürgermeister oder sein Stellvertreter und überbringt die Grüße der Stadt, doch bei anderen Geburtstagen sitzt das Geburtstagskind oft allein da und hofft, dass Menschen aus der Familie, aus dem (im Alter kleiner gewordenen) Freundeskreis oder aus der Gemeinde vorbeikommen.

Nun, so ist das nun mal, denken Sie jetzt vermutlich. Aber stellen Sie sich einmal vor, was wäre, wenn alle  wegen des Geburtstagsfestes frei bekämen, um das Geburtstagskind besuchen zu können. Sie bekämen
sogar einen zusätzlichen Feiertag, und die Feier wäre im Kalender fett gedruckt, damit sie keiner vergisst – und dann kämen trotzdem nur wenige!?

Unglaublich, aber wahr: So ergeht es schon seit längerer Zeit einer alten Dame, die sich Kirche nennt, an ihrem Geburtstag, dem Pfingstfest.

Ja, die Pfingsttage sind auch in Ihrem Kalender fett markiert, und vielleicht haben Sie für dieses „verlängerte Wochenende“ schon Urlaub eingetragen und freuen sich auf ein wenig Erholung. Der„alten Dame“ haben Sie innerlich schon abgesagt. Dabei können Sie, auch wenn Sie in Urlaub fahren, diesen Geburtstag feiern. Schließlich geht das nicht nur in Rupelrath, sondern überall. Wenn Sie nicht wissen, wo sich am Urlaubsort eine Gemeinde befindet, dann erkundigen Sie sich einfach. Der Besuch lohnt sich. Es gibt viel zu sehen und zu hören. Sie begegnen anderen Geburtstagsgästen, die sich darüber freuen, wenn Sie vorbeischauen. Wenn Sie mit ihnen singen und beten, diskutieren und nachdenken oder einfach fröhlich beisammen sind, dann nehmen Sie etwas mit für ihren Alltag, da bin ich mir sicher.

Vielleicht konnte ich Sie aber immer noch nicht davon überzeugen, dass sich ein Geburtstagsbesuch bei der „alten Dame Kirche“ lohnt? Vielleicht denken Sie ja: Was soll ich auf einem Geburtstag bei jemandem, den ich gar nicht richtig kenne und von dem ich so wenig weiß?

„Die alte Dame Kirche“ hat schon viel Gutes getan und tut es immer noch. Viele Menschen arbeiten haupt- und nebenamtlich für sie. Sie freuen sich an ihr und helfen tatkräftig mit, dass ihre vielfältigen Aufgaben bewältigt werden. Aber sie hat auch schon so manchen Ärger und so manchen Frust ausgelöst. Vielleicht haben Sie sich ja auch einige Male auf den Besuch bei ihr eingelassen und wurden enttäuscht. Wenn Sie zurückblicken, denken Sie unter Umständen: „Im Grunde hat sich bei der in all den Jahren nichts verändert!“

„Die alte Dame Kirche“ wird tatsächlich oft für ihre altertümlichen Umgangsformen belächelt. In unserer Gemeinde bemühen wir uns deshalb, durch verschiedene Angebote des Feierns in Gemeinschaft unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen: Da ist der „Elf-Uhr-Gottesdienst“, der „Worship-Gottesdienst“ und seit Neuestem der Gottesdienst „FreiRaum“.

Lassen Sie doch einmal die Kirche als Gebäude und Organisation außer Acht. Vielleicht können Sie dann entdecken, was diese Dame ausmacht und welcher Zauber von ihr ausgeht. Fragen Sie: „Wie hat das alles begonnen, und was feiern wir eigentlich?“

Die Entstehung der Kirche fällt zusammen mit dem Tag, an dem Gottes Heiliger Geist auf die Jünger ausgegossen wurde. An Pfingsten ist der Heilige Geist nicht „entstanden“, es war die erste Gemeinde, die damals entstand. Der Heilige Geist, der daran beteiligt war, stellte an sich nichts Neues dar. Ihn hatte es schon gegeben, als die Welt erschaffen wurde, als er noch „über den Wassern schwebte“, wie es im Schöpfungsbericht heißt.
Die Kirche hat ihren Ursprung dort, wo der Heilige Geist das Wort Gottes in die Herzen der Menschen dringen lässt. Wo sich Menschen begegnen und im Geist Jesu miteinander als Gemeinde auf dem Weg sind.

Ich mag diese „alte Dame“ bei aller Kritik, die ihre Berechtigung hat, und ich freue mich jedes Mal auf sie und an ihr, wenn ich in der Gemeinde „unterwegs“ bin: in den Gottesdiensten, im Bibelkreis und im Hauskreis, beim Gemeindefest, auf Freizeiten oder wo und wann auch immer. Ich bin ihr dankbar, dass sie mein Leben von Anfang an begleitet hat: durch meine Taufe, durch meine Konfirmation und durch meine Trauung. Den Weg unserer Kinder zum Glauben verdanken wir ihr. Ich bin gewiss, dass sie auch am Ende meines Lebens für mich da sein wird. Bis dahin und noch viel länger wird die alte Dame, unsere Kirche, noch viele Geburtstage feiern. Dazu verhelfen ihr die Menschen, die dem Geist ihres Beginns immer wieder nachspüren. Solange Menschen sich in der Mischung von Gottes Geist und Menschengeist, von Tradition und Erneuerung wiedererkennen, wird die Dame ihre Gratulanten finden.

Deshalb lade ich Sie herzlich zum Mitfeiern ein. Vielleicht sehen wir uns dann zu Pfingsten. Wenn Sie woanders feiern, grüßen Sie dort herzlich!

Dieter Goltz

 
    © Ev. Kirchengemeinde St. Reinoldi Rupelrath 2017